Plymouth

Alle, die nicht nur einen erholsamen Urlaub am Meer im Sinn haben, sondern auch Stadtluft schnuppern, auf den Spuren großer Seehelden wandeln oder auf eine Shopping-Tour nicht verzichten wollen, sollten auf alle Fälle einen Tagesausflug nach Plymouth einplanen. Auch wenn das historische Stadtzentrum während des 2. Weltkriegs in dutzenden Fliegerangriffen in Schutt und Asche gebombt und nur durch wenig einfallsreiche Einkaufsviertel im Stil der 60er Jahre ersetzt  worden ist, hat die Stadt an der Mündung der Flüsse Plym und Tamar einiges Interessantes zu bieten.

Mit knapp 250.000 Einwohnern ist Plymouth die größte Stadt Devons und rühmt sich einer traditionsreichen maritimen Vergangenheit. Diese ist eng mit den Namen berühmter englischer Seefahrer, Entdecker und Freibeuter  verbunden. Von Plymouth wurde der Grundstein zur englischen Vormachtstellung zur See und letztlich dem Britischen Empire als führender Weltmacht gelegt. Von Plymouth aus gründete Sir Walter Raleigh, Günstling Königin Elisabeths I., 1585 die englische Kolonie Virginia. Von hier umsegelte Sir Francis Drake auf der Golden Hind als erster Engländer die Erde, von hier besiegte er 1588 die stolze spanische Armada. 1620 stachen die Pilgerväter von den Pilgrims’ Steps  in Richtung Massachussetts in See. Abertausende mittellose Taglöhner, Landarbeiter und Handwerker folgten ihnen in die Neue Welt. 1768-1780 unternahm James Cook von Plymouth aus seine drei Weltreisen, die ihn zum Entdecker Australiens werden ließen. Von Plymouth aus wurde Napoleon ins Exil nach St. Helena geschickt, 1831 machte sich Charles Darwin auf eine fünfjährige Forschungsreise auf, deren Ergebnisse alle gängigen Theorien über die Entstehung der Welt und des Menschen in Frage stellen sollten. Die Antarktisexpeditionen von Robert Scott und Ernest Shackelton starteten in Plymouth aus, Sir Francis Chichester segelte von Plymouth in seiner winzigen Gipsy Moth als erster Mensch allein um die Welt, von hier liefen die  Kriegsschiffe der Royal Navy in den Falkland Krieg und den Golfkrieg, letztlich auch den Irakkrieg aus.    

Wer diese stolze maritime Vergangenheit zumindest erahnen möchte, muss von den Höhen des gut ausgeschilderten Plymouth Hoe den herrlichen Blick über den riesigen, von der Natur so begünstigten Naturhafen genießen. Mit ein bisschen Glück kann man ein Kriegsschiff, ein U-Boot oder sogar einen Windjammer beim Aus- oder Einlaufen beobachten, manchmal vielleicht auch nur eine der vielen tollen Segeljachten, die gegen die Winde und die Strömungen des eindrucksvollen Plymouth Sound ankämpfen. Anschließend sollte man den historischen Eddystone Leuchtturm besteigen. Nur wenige Schritte unterhalb befindet sich der Plymouth Dome, der mit seiner multi-medialen Aufbereitung der illustren Seefahrtsgeschichte der Stadt schon viele Besucher begeistert hat. Sehr leicht erkennen kann man das Gebäude an der Kuppel über dem Eingangsbereich.

Auch das alte Hafenviertel, der Barbican, ist einen Besuch wert . Die vorkragenden Fachwerkhäuser und engen Gässchen lassen noch einiges an elisabethanischem Lebensgefühl aufkommen. Seit 1793 wird hier in einem der ältesten Gebäude, der Plymouth Gin Distillery,  der berühmte Plymouth Gin erzeugt, von seiner Qualität kann man sich bei einer Führung überzeugen. Von den Mayflower Steps am Ende des alten Sutton Harbours brachen die Pilgerväter in die Neue Welt auf. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite befindet sich das moderne National Marine Aquarium mit dem tiefsten, 3.3 Millionen Liter Wasser fassenden Aquariumstank Europas. 

Auf einer der Stadt im Westen vorgelagerten Landzunge namens Rame, die schon zu Cornwall gehört, liegt das stattliche Tudoranwesen Mount Edgcumbe House. Von seinem prächtigen Garten kann man herrliche Ausblicke über den Sund von Plymouth genießen. Sowohl mit der Torpoint Autofähre als auch der Cremyll Fußgängerfähre zu erreichen.
Nicht weit davon befindet sich das aus dem frühen 18. Jh. stammende und mit exquisiten Möbeln und Gemälden ausgestattete Anthony House (National Trust). In dem 40 ha großen Park blühen im Frühling über 300 verschiedene Kamelienarten und man kann durch Haine von Rhododendren, Azaleen und Magnolien wandeln. Ein absolutes Muss für Gartenliebhaber!